Radtourenwoche XL

Alpenüberquerung vom Genfersee nach Nizza

Seit 2009 bieten wir erstmals eine XL-Version der Radtourenwoche Klassik an. Einige neue und interessante Pässe stehen am Programm.

Diesmal erfolgt der Start zur 1. Etappe in Martigny und führt über den Gr. St. Bernhard Pass ins Aostatal. Die Strecke führt dann weiter über den Kl. St. Bernhard Pass und über die bekannten französischen Alpenpässe wie z.B. Col de L’Iseran, Col de la Croix de Fer, Col du Glandon, Col d’Izoard, etc. Auch der Klassiker Alpe d’Huez ist natürlich dabei. Wir durchfahren sowohl hochalpine, als auch mediterrane Klima- und Vegetationszonen. Im Süden befahren wir noch den Col d’Agnel und den Col de la Lombarde. (ca. 700 km, ca. 15.000 HM)

Die Eckdaten

Streckencharakteristik:
Anspruchsvoll, Befahrung von Paßstraßen, wobei die Steigungen meist länger als in den österr. Alpen sind, aber dafür im Durchschnitt nur 8-10 % steil sind. Nach Möglichkeit befahren wir kleinere, verkehrsarme Straßen.

Streckenlänge: ca 700 km
Etappenlänge: ca. 75 bis 140 km mit 1 bis 2 Pässe pro Tag
Höhenmeter: ca. 1.900 bis 2.800 pro Tag, Gesamt ca. 15.000 HM

Anforderung:
sportliche Radfahrer/innen mit regelmäßigem Training, gute Kondition und Ausdauer werden vorausgesetzt. Für die Strecke ist das Rennrad am besten geeignet. Es kann aber auch mit dem Mountain-Bike gefahren werden, wobei hier Slicks oder Semi-Slicks empfohlen werden.

Der Streckenüberblick

Anreisetag: Fahrt von Laussa nach Martigny

Fahrt von Laussa bzw. Steyr über Salzburg – Innsbruck – Arlberg – Zürich – Bern – Montreux – nach Martigny. Ankunft ca 18 Uhr bis 19 Uhr Abend. Abendessen in einem netten Hotel und Tourenbesprechung mit den Teilnehmern.

1. Radtag: Martigny - Großer St. Bernhard Pass - Aosta. (ca. 75 km, ca. 2.000 HM)

Von Martigny aus starten wir vorerst gemütlich nach einem guten Radlerfrühstück. Die ersten Kilometer führen nur gemächlich flußaufwärts bis Sembrancher. Danach folgen die ersten Steigungen mit 10 % bis Orsières. Der erste Teil der Strecke ist sehr gut ausgebaut und es gibt auch einiges an Verkehr. Erst im oberen Teil führt die Hauptstraße durch den St. Bernhard Tunnel und wir können die Auffahrt auf die Passhöhe über die alte Straße  genießen. Durch lange Galerien und Tunnels und mit abwechselnder Steigung geht es hinauf – an einem Stausee entlang – bis km 36,5 und wir können endlich auf die alte Passstraße ausweichen. Die letzten sieben Kilometer windet sich die Straße hinauf, bis wir  auf 2.473 m und nach ca. 44 km die Passhöhe und das Bernhard-Hospiz erreichen. Oben angekommen können wir noch die bekannten Bernhardiner-Hunde besichtigen. Unmittelbar nach der Passhöhe befindet sich – an einem schönen Bergsee gelegen – die Grenzstation zwischen Schweiz und Italien. Nach einer verdienten Rast fliegen wir auf der gut ausgebauten Straße  förmlich hinunter ins Aostatal. Die Abfahrt ist über 30 km lang und bald strömt uns die warme Luft aus dem Aostatal entgegen. Bei typisch ital. Pasta und Rotwein lassen wir den ersten – anstrengenden – Tag ausklingen.

Höhenprofil 1. Radtag

2. Radtag: Aosta - Kleiner St. Bernhard Pass - Val d’Isere. (ca. 100 km, ca. 2.700 HM)

Von Aosta fahren wir bis kurz vor Courmayeur ca. 40 km taleinwärts und gewinnen dabei 400 m an Höhe, hier müssen wir zum Teil mit stärkerem Verkehr rechnen. Wir sehen das Mont Blanc Massiv zum Greifen nahe vor uns. In Pré St. Didier zweigen wir auf die Straße zum Kleinen St. Bernhard ab. So klein ist er auch nicht, sind doch von hier bis zur Passhöhe immerhin 24 km und 1.200 HM bis auf 2.188 m zu bewältigen. Allerdings beträgt die max. Steigung nur 9 %. Anfangs fahren wir durch eine enge Schlucht aufwärts ca. 10 km bis La Thuile – einem Sommer- und Wintersportort. Nun öffnet sich das Tal und wir fahren über mehrere Kehrengruppen bei mäßiger Steigung in Richtung Passhöhe, wo wir eine ordentliche Rast einlegen. Es folgt eine lange, aber nur im oberen Teil steilere Abfahrt in Richtung Bourg-St.-Maurice.  Bald nachdem wir den Wintersportort La Rosière erreicht haben zweigen wir jedoch von der Passstraße ab und benützen kleinere Nebenstraßen in Richtung Val d’Isère. Dadurch ersparen wir uns, einige Hundert Höhenmeter und in Sainte -Foy -Tarentaise treffen wir auf die Hauptstraße hinauf nach Val d’Isére. Der  Anstieg hat es in sich und bis zum Lac de Tigne führt die Straße in mehreren steileren Passagen bis auf 1.800 m hinauf. Vom Lac de Tignes haben wir einen herrlichen Anblick auf den Retortenort Tignes. Von hier führt die Straße durch Lawinengalerien bis zu einem schmalen Durchgang und plötzlich öffnet sich das Tal und  Val d’Isére – der legendäre Sommer- und Wintersportort –  liegt vor uns.

Höhenprofil 2. Radtag

3. Radtag: Val d‘Isere - Col de L’Iseran - Col du Télégraphe - Valloire. (ca. 110 km, ca. 1.900 HM)

Eine der Königsetappen steht heute am Programm. Höhepunkt wird zweifellos die Befahrung des Col de L’Iseran sein, mit fast 2.800 m Seehöhe. . Die 17 km lange Auffahrt auf den Col de L’Iseran zeigt uns immer wieder traumhafte Ausblicke auf das Gran Paradiso und auf den Nationalpark de la Vanoise. Wenn wir nach unten blicken sehen wir zurück nach Val d’Isere und auf das bekannte Schigebiet von Tignes. Nach 900 HM haben wir die Paßhöhe bezwungen und haben uns eine Rast redlich verdient. Anschließend erfolgt die herrliche und schier endlose Abfahrt nach Bonneval, einem in seiner Ursprünglichkeit erhalten gebliebenen, französischen Bergdorf. Nun folgt eine lange, teilweise ebene bzw. leicht fallende Strecke bis nach Modane, und je weiter wir talauswärts radeln, desto stärker bläst uns der Wind entgegen. Wer für heute schon genug hat, der kann natürlich wieder in den Bus umsteigen. Als Abschluss des heutigen Tages erfolgt jetzt noch die Auffahrt auf den Col de Telegraphe auf ca. 1.570 m Seehöhe. Die Auffahrt ist ca. 12 km lang und bietet gleichmäßig ca. 8-9 % Steigung. Nach einer kurzen Abfahrt haben wir unser Etappenziel – den bekannten Sommer- und Wintersportort Valloire – erreicht. In einem einfachen, aber netten Hotel haben wir uns ein gutes französisches Abendessen verdient.

Höhenprofil 3. Radtag

4. Radtag: Valloire - Col de la Croix de Fer - Alpe d’Huez - Briancon. (ca. 120 km, ca. 2.800 HM)

Alpe D`huez
Original Streckenführung Zielbereich Alpe D´huez

Von Valloire fahren wir diesmal nicht über den Col du Galibier, was sich anbieten würde, sondern wir fahren von Valloire nach einem kurzen Anstieg wieder zurück zum Col du Télégraphe und sausen auf der herrlichen Straße hinunter nach St. Michele de Maurienne. Nach weiteren 15 km talauswärts biegen wir in St. Jean de Maurienne ab in Richtung Col de la Croix de Fer. Gleich hinter dem Ort zieht sich der Bergrücken hinauf und die Straße legt sich eng an den Bergrücken. Nach einer kurzen Abfahrt geht es erneut mit ca. 10 % bergauf bevor sich das dahinter liegende Tal öffnet. Vorbei am kleinen Wintersportort St. Jean d’Arves geht es dann über eine steile Bergflanke in engen Kehren hinauf zur Passhöhe des Col de la Croix de Fer(2.068 m). Nach ca. 30 km Auffahrt und 1.500 HM haben wir den Pass bezwungen. Dafür erreichen wir den Col du Glandon (1.924 m)  nach einer Abfahrt von ca. 1 km. Hier ist ein gemütliches Restaurant und lädt zum Verweilen ein. Nach insgesamt fast 30 km Abfahrt erreichen wir das Tal kurz vor Le Bourg-d’Oisans. Unmittelbar nach dem Ort beginnt der legendäre – ca. 14 km lange Anstieg – nach Alpe d’Huez. Ein „Muss“ für jeden Rennradler. Unzählige Male quälten sich schon die Teilnehmer der Tour de France auf diesen Berg der Berge. Und auch wir wollen es wissen – und die Zeit des legendären Marco Pantani mit ca. 37 Minuten (in „Doping-Form“) bleibt für uns wohl immer unerreichbar. Für uns ist es ein tolles Gefühl, zwischen den auf die Straßen gemalten Anfeuerungsparolen der Tour die 1.100 HM hochzufahren. Die ersten 4 km der Auffahrt haben bis zu 12 % Steigung und verlangen – bei meist sengender Hitze – einiges von uns ab. Anschließend legt sich die Steigung zurück auf 7-8 % und wir können bald den Wintersportort hoch oben erkennen. Glücklich, aber geschafft erreichen wir Alpe `d’Huez auf 1.800 m Seehöhe. Nach einem Panaché (Radler) oder zwei, brausen wir wieder zurück ins Tal und lassen dabei so manchen Autofahrer alt aussehen. Unten angekommen verladen wir die Räder und fahren mit dem Bus über den Lautaret-Pass nach Briancon, unserem Etappenort (die höchstgelegenste Stadt Mitteleuropas auf 1.300 m Seehöhe, ca. 300 Sonnentage im Jahr, einen Besuch wert).

Höhenprofil 4. Radtag

5. Radtag: Briancon - Col de L‘Izoard - Col d’Agnel - Saluzzo. (ca. 130 km, ca. 2.800 HM)

Von Briancon aus starten wir zunächst gemütlich Richtung Südosten. Die ersten Kilometer steigt die Straße nur leicht aber gemächlich an. Nach 12 km beginnt der tatsächliche Anstieg auf den eigenwilligen Col d’Izoard. Auf 10 km Länge fahren wir durch herrliche Lärchenwälder , doch bald oberhalb der Baumgrenze tut sich ein herrliches Panorama auf. Die Straße ist wenig befahren und wir genießen den Anstieg am frühen Vormittag. Auf der Paßhöhe (2.360 m) angelangt können wir einen Blick in das dort befindliche Tour de France Museum werfen. Jenseits der Paßhöhe treffen wir auf die „Casse deserte“, einer von Erosion geprägter Felsformation, die wohl am ehesten einer Mondlandschaft gleicht. Hier reiht sich ein Fotomotiv an das andere. Die folgende Abfahrt bis zur Combe du Queyras läßt keine Wünsche offen. WIr biegen nun links ab und erblicken das mächtige Chateau Queyras. Ein paar Kilometer weiter – in Ville Vieille – beginnt der Anstieg zu einem der höchsten Alpenpässe, den 2.748 m hohen Col d’Agnel. Mehr als 20 km beträgt der Anstieg hinauf durch das Hochtal bis zur Passhöhe. Wir sind nun in unmittelbarer Nähe des weithin sichbaren Monte Viso mit seinen 3.841 Metern. Auch die Abfahrt in den Piemont ist mehr als 20 km lang und in Casteldelfino erreichen wir das Valle Varaita, welches wir bis Sampéyre und weiter nach Piasco talauswärts fahren. Nun sind es nur mehr 10 km nach unserem Etappenort Saluzzo – einer typischen italienischen Kleinstadt. Bei einem guten Abendessen und einem Spaziergang durch die schöne Altstadt lassen wir den anstrengenden Tag ausklingen.

Höhenprofil 5. Radtag

6. Radtag: Saluzzo - Col de la Lombarde - St. Sauveur-sur-Tinée. (ca. 140 km, ca. 2.500 HM)

Von Saluzzo aus fahren wir über einen kleinen Pass nach Brondello und weiter über Venasca und Rosanna nach Busca. Nun geht es durch die Ebene nach Caraglio und nach ca. 45 km haben wir den Taleingang zum Val Stura in Richtung Vinadio erreicht. Nun geht es ca. 30 km talaufwärts bis Vinádio, hier beginnt der lange und schwierige Anstieg auf den Col de la Lombarde (2.351 m). Die schmale Trasse zieht über enge Kehren mit 11 % Steigung nach oben. Die Steigung nimmt auf 13 % zu, es geht vorbei an einer kleinen Kapelle und wir haben ca. die Hälfte des Anstieges erreicht. Es folgt ca. 2 km Flachstrecke, die wir zur Erholung nützen, bevor es über Kehrengruppen wieder mit 12 % aufwärts geht. Erst die letzten Kilometer vor der Passhöhe geht die Steigung auf 6 % zurück und nach 23 km haben wir die Passhöhe auch erreicht. Nun erfolgt die Abfahrt nach Isola 2000 – einem Retortenschiort. Ab hier ist die Straße gut ausgebaut und es geht über 37 Kehren hinunter nach Isola und nochmals ca. 15 km das Tal flussabwärts bis nach St. Sauveur-sur-Tinée. Wir sind überglücklich dass wir nach ca. 700 km und ca. 15.000 HM unser Ziel erreicht haben. Rasch werden noch die Räder verstaut und wir fahren die letzten Kilometer hinaus Richtung Nizza mit dem Bus auf einer stark frequentierten Straße. Weiter entlang der herrlichen ligurischen Küste. Von der Autobahn aus genießen wir immer wieder herrliche Ausblicke auf das Meer und auf die lieblichen Städte entlang der italienischen Riviera. Kurz vor Genua biegen wir nach Norden und in Ovada erreichen wir unseren heutigen Nächtigungsort.

Höhenprofil 6. Radtag

Heimreisetag: Fahrt von Ovada nach Laussa

Auch eine so tolle Woche geht einmal zu Ende und heute steht die Heimfahrt auf dem Programm. Im Bus werden noch einmal die vielen, unvergesslichen Eindrücke dieser Radtourenwoche mit den Kollegen erörtert. Über Piacenza, Cremona, Brescia, Verona fahren wir Richtung Brenner. Und über Innsbruck, Salzburg, Linz und Steyr erreichen wir schließlich Laussa. Wir sind sicher, dass wir nicht zum letzten Mal ein so tolle Radtourenwoche unternommen haben und für nächstes Jahr werden bereits wieder die ersten Pläne geschmiedet.